Divinitydreams

Wenn Sie sich näher für das Thema Kinderträume interessieren, beachten Sie bitte auch unter der Seite "Seminare" die Unterseite "Ehrenamtliche Kindertage"

Der US Psychologe und Traumforscher David Foulkes sammelte über mehrere Jahre systematisch Träume von Kindern zwischen

3 und 15 Jahren und untersuchte diese.


Er stellte fest, dass die 3 – 5-Jährigen eher selten und meist in statischen Bildern von Tieren träumten.


Die 5 – 9-Jährigen träumten schon öfter, länger, komplexer und beweglicher, das soziale Miteinander der Figuren häufte sich (parallel zum größeren räumlichen Vorstellungsvermögen), Tiere nahmen ab.


Bei den 9 – 15-Jährigen steigerte sich die Anzahl der Träume weiter, sie selbst waren noch stärker als handelnde Person im Traum vertreten und konnten sich selbst innerhalb des Traumgeschehens besser reflektieren.


Foulkes meinte:


„Träumen basiert auf einem komplizierten Zusammenspiel von höher entwickelten Denkprozessen, bei dem die Fähigkeit zur räumlichen Wahrnehmung eine wichtige Rolle spielt. Und eben dazu sind kleine Kinder noch nicht fähig. Deshalb träumen sie schlicht!“ (Psychologie Heute compact. Träume. Heft 37. Beltz Verlag 2014)


Ich möchte hierzu noch die andere Seite der Medaille betrachten und mich mit dem Begriff „schlicht“ auseinandersetzen.

„Schlicht“ versteht Foulkes hier als „einfach gestrickt“. Schlicht bedeutet in Träumen jedoch auch „auf das Wesentliche beschränkt“.


In der Traumarbeit mit Erwachsenen stellt man immer wieder fest, dass sich hinter einem einzelnen, statischen Traumbild

(z. B. ein Ring, eine Schale, ein Papagei, ein stiller Fluss….) ganze Lebensdramen oder – philosophien des Träumers türmen.


Dazu sind der persönliche Dialog und das behutsame Erforschen des inneren Zustands des Träumers in Bezug auf genau dieses Bild erforderlich, um über die allgemeine Symbolik des Bildes den Kontext zur persönlichen Symbolik zu ergründen.


Da diese Art des Dialoges mit einem kleinen Kind nicht möglich ist, kann man nur erahnen, welche Energien sich in seiner Seele bewegen, welche Hürden es geistig gerade bewältigen möchte.


Ein kleines Beispiel möchte ich hier vorstellen. Es sind zwei aufeinanderfolgende Träume eines erst dreijährigen Jungen, der sich mit seinen Eltern im Urlaub am Meer befand.


Der Junge hatte vor dem Urlaub aufgrund aktueller baulicher Missstände seines Kindergartens einige Wochen in der Winterzeit mit seiner Gruppe in einem kleinen Raum „festgesessen“. Da er mit einem gesunden, lebhaften Bewegungsdrang ausgestattet war, konnte er seine Freude über den Strand und die Wellen kaum fassen. Er konnte selbstständig planschen, springen, bauen, hüpfen, Ball spielen, und ging, ob des vergrößerten Horizontes, ganz in seiner souveränen Lebensfreude auf.


In der Nacht träumte er dann von „einem tollen Tiger und einem Affen, auf den eine große, rote Schlange aufpasste.“


Die Katzen und Großkatzen spiegeln allgemein unsere emotionale Souveränität, die Affen symbolisieren die Schwelle zu einem größeren Bewusstsein. Die Schlangen, wie bereits erwähnt, unseren Lebenstrieb.


Welch schönes Bild! Sein Lebenstrieb, voller Gefühl und Kraft (rot), war aufgrund der neuen äußeren Umstände wieder in der Lage sich mit seiner Souveränität zu verbinden und bescherte ihm neue Bewusstseins- und Lebensbereiche.

Ganz anders erging es ihm in der folgenden Nacht.


Am Vortag, als die Familie über die gut besuchte Strandpromenade spazierte und Geschäfte betrachtete, preschte er vor lauter Lebensfreude und neu gewonnener Selbstständigkeit nach vorne und verschwand in der Menge, schneller als die Eltern schauen konnten. Als er wieder „eingefangen“ war, schimpfte die Mutter mit ihm und ihre ausgestandene Angst ergoss sich auf ihn in einem lauten Redeschwall.


In der Nacht träumte er dann: „Ein platt gefahrener Affe mit orangefarbenen Händen liegt in Mamas Bett.“


Das neu aufkeimende Bewusstsein des Jungen am Vortag, sich völlig souverän und voller Vertrauen, befreit von jeder Enge, bewegen zu können wurde „platt gemacht“. Die orangefarbenen Hände betonen diesen Aspekt noch doppelt. Es wurde nicht nur das neue Bewusstsein platt gefahren, sondern zeitgleich damit auch seine Handlungskraft um in das neue Bewusstsein zu gelangen (Hände).


Die Farbe Orange ist die Farbe des Aufbruchs, der „Revolution“, des Handelns.


Doch warum wurde der Affe ausgerechnet platt gefahren? Er hätte auch platt geschlagen, verhungert, erfroren oder durch eine andere Todesursache dahingerafft werden können. Und warum lag der Affe in Mamas Bett?


Wir können davon ausgehen, dass man nur durch ein Fahrzeug platt gefahren wird. Ein Fahrzeug spiegelt eine Art der Selbststeuerung.


Am Vortag "steuerte" sich der kleine Junge in einer Art und Weise in die Menschenmenge, die durchaus hätte gefährlich werden können und seine Mutter wurde von (halb bewussten / halb unbewussten = Bett) Ängsten gesteuert, die dazu führten, dass sie lautstark schimpfte.


Diesen beiden Steuerungen fiel der Affe sozusagen zum Opfer.


Die Traumarbeit mit Kindern ist immer besonders anrührend. Sie durchleiden, wie wir auch, die ganze Gefühlspalette des Lebens, wenn auch manchmal, ohne gesehen zu werden oder sich mitteilen zu können.


Und gerade deshalb, weil Kinder (und Jugendliche) oft noch nicht in der Lage sind ihre Gefühle und inneren Zustände angemessen zu verbalisieren, birgt die Traumarbeit für das Familiensystem ungeheure Schätze!


Durch Traumbilder können wir uns einfühlen in Zustände,

für die Worte nicht ausreichen.

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