Divinitydreams

Kleine Gedankenperlen

Überliefert von einer Zellengenossin:

Sophie Scholl, vom NS-Regime wegen Hochverrats angeklagt, wird im Gefängnis im Morgengrauen wach. Heute ist der Tag der Urteilsverkündung. Sie dämmert noch einmal kurz ein und träumt,


"... dass sie ein Kind in einem weißen Taufkleid einen steilen Berg hinauf trägt. Zu ihren Füßen klafft auf einmal eine tiefe Gletscherspalte auf. Sie schafft es gerade noch, das Kind auf die andere Seite zu legen und fällt dann ins Bodenlose."


Wenige Stunden später verkündet der NS-Richter das Todesurteil durch die Guillotine und das Fallbeil tötet Sophie Scholl.

Doch ihre Vision, ihr „Kind“, überlebt. Das Kind trägt den Namen „Freiheit“.

Jahrzehnte später erst werden diese 8 Buchstaben in ihrer Handschrift auf der Rückseite der Anklageschrift entdeckt.


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Eine erwachsene Träumerin, die von ihrem Vater als Kind jahrelang missbraucht und erniedrigt wurde, lebte nun schon Jahrzehnte weit von ihm entfernt, hatte keinen Kontakt mehr zu ihm und doch spürte sie latent immer die Bedrohung, die von ihm ausging. Ihr Leben lang kämpfte sie gegen die Spätfolgen, die der Missbrauch hinterlassen hatte. Gegen Trauer, Drogensucht, Depression, Schuldgefühle, Isolation und Hauterkrankungen. Eines Tages erfuhr sie, dass ihr Vater überraschend vor drei Tagen gestorben war. Sie blätterte in ihrem Traumtagebuch und in der Nacht, in der ihr Vater verstorben war, hatte sie geräumt,


"... dass eine riesige Urzeitschlange in einem Zoo für Artenerhaltung eine schlimme Zeit überlebt hatte und nun wieder anfing, sich zu regen."


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Kekulé verstand die molekulare Struktur des Benzolrings, bei dem sich die Kohlenstoffatome ringförmig anordnen, weil er von einer Schlange träumte, die sich in den Schwanz biss.


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Ist die gesamte Götterwelt eine Projektion unseres kollektiven Unbewussten oder ist das kollektive Unbewusste eine Introjektion der Götterwelt? Oder sind es beides wahrhaftige Seiten ein und derselben Sache?


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Tagträumen


Der Mensch hat eine tiefe Sehnsucht nach Bildern. Er träumt, weil er ein spirituelles Wesen ist, das auf Vervollkommnung ausgerichtet ist und nachhaltig nur mit Bildern begreift. Deshalb fing er an, in Höhlen Bilder zu malen, deshalb hat er das Kino erfunden, deshalb „tagträumt“ er.


Bei Menschen, die die äußere Aktivität herunterfahren und scheinbar abwesend und gedankenverloren sind, fährt zur gleichen Zeit ein anderer Teil ihres Gehirns hoch. Neurowissenschaftler sprechen von einem "default mode network" (Ruhestand-Netzwerk) oder "prospective brain" (vorausschauendes Gehirn).


Der Geist verarbeitet und verbindet mit Hochdruck Eindrücke und Bilder, entwirft zukünftige Situationen, vergleicht sie mit Erinnerungen, erstellt neue Bausteine und baut sie in Hypothesen ein. Wir wissen heute, dass das Tagträumen etwa 20-mal so viel Energie verbraucht, wie bewusste Aktionen.


Diese Innenschau ist wichtig für Geist und Psyche, um zu erfahren, was wirklich ist und was wirklich werden soll.


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Träume vergessen?

Ist es nicht so, dass es kein Vergessen gibt, genauso wenig wie irgendetwas im Universum „verschwindet?“ Es ändert die Form, es flüchtet sich in andere Zustände, aber eine Information „geht nicht weg“. Sie ist gespeichert, in einem Ordern, zu dem wir nur im Moment keinen bewussten Zugriff haben oder im Körper, der seine eigene Sprache spricht. Das haben mich die Praxis-Jahre in der Hypnosearbeit beeindruckend gelehrt.


Auch Traum ist Sprache. Wenn eine Mutter zu ihrem Baby oder Kleinkind spricht, versteht und erinnert sich das Kind auch nicht an jedes einzelne Wort und doch ist die Schwingung dieser Worte gespeichert, im Gefühl, im Herz, im Körper und auch in einem kleinen inneren Ordner, der angelegt wird. Und je öfter das Kind die Worte hört, desto mehr Sinn ergeben sie, bis es sie alle versteht.


Wer die wundervolle Arbeit von Masaru Emoto kennt, der hat verstanden, dass alles Informationsträger ist: Das Gehirn, das Herz, die einzelnen Organe, jedes Tier, jede Pflanze, jede Zelle und jede Frucht hat feinstoffliche Informationen gespeichert.


Bis vor Kurzem nahm man noch an, dass Menschen nur in der REM - Phase träumen. Das wurde von Prof. Dr. Solms aus Kapstadt widerlegt*. Das bedeutet, dass wir also auch in den anderen Phasen der Nacht träumen.


Manchmal wissen wir, dass wir geträumt haben, meinen aber uns am Morgen nicht mehr erinnern zu können. Es ist "weg". Und dann begegnet uns etwas am Tag, das kann ein Gesprächs-Fetzen sein, den wir aufschnappen oder wir sehen etwas im Fernsehen und dann auf einmal fällt es uns wieder ein: "Ach! Weißt, Du was ich geträumt habe, heute Nacht?! Gerade fällt es mir wieder ein!"


Der Traum mit seinen Bildern ist im Unterbewusstsein und durch einen äußeren Auslöser wieder ins Bewusstsein gestiegen.


Wir wissen auch, dass unser Unterbewusstsein der mächtigste Teil unseres Geistes ist. Es gibt unter Hypnosetherapeuten den "Running Gag": "Consciousness is a PR gag of the subconscious mind to make you believe you are involved." (Bewusstsein ist ein PR-Gag des Unbewussten, damit Du denkst, Du bist in irgendeiner Form involviert).


Die Träume, die in unserem Unterbewusstsein wirken, sind also eventuell noch stärker in ihren Auswirkungen als die, deren Bilder wir mit in den Morgen nehmen.


Diese Annahme, verbunden mit den Erkenntnissen über Tagträume zeigt,

dass ein Teil von uns sich immer in der Traumzeit befindet.

Buchempfehlung:

Edward C. Whitmont und Sylvia Brinton Perera "Träume, eine Pforte zum Urgrund"

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