Divinitydreams

"Die Welt ist wie der Traum eines Schlafenden. Seine Deutung im Jenseits wird ganz anders sein und diesem nicht ähnlich." (Islam)

"Die Wahrheit kommt nicht nackt auf diese Welt, sondern im Schleier eines Symbols" heißt es im Talmud.

Ein Traumbild ist also der Schleier oder das Gewand eines Gedankens, einer Botschaft.Warum braucht es diesen Schleier, diese Symbolsprache? Und was sind Träume überhaupt?


Zunächst einmal sind sie ein großer Teil unseres Lebens. Ein Mensch schläft in seinem Leben durchschnittlich 24 Jahre. Diese Jahre sind angefüllt mit den wunderbarsten Bildkreationen. Da bevölkern Fische mit Hundeköpfen die Meere und goldschillernde Kühe fliegen über den nächtlichen Himmel. Da hören wir Namen oder Worte, die wir noch nie gehört haben und Menschen, die wir seit der Kindheit nicht mehr gesehen haben, treten plötzlich auf die nächtliche Bühne. Was bedeutet all das?


Das ganze Leben ist Sprache, es kann nicht „nicht kommunizieren“. WIR können nicht „nicht kommunizieren“. Wenn mich jemand anlächelt, dann spricht das zu mir etwas anderes, als wenn jemand mich mit einem völlig ausdruckslosen Gesicht ansieht. Wenn mir eine Katze ums Bein schnurrt, dann sagt mir das etwas. Wenn Blumen die Köpfe hängen lassen oder sich Wolken am Himmel zusammenbrauen, dann spricht das zu uns, und genauso geschieht das auch in unseren Träumen.


Die Symbolsprache ist die älteste und umfassendste Art zu kommunizieren, weil uns Bilder auf allen Ebenen des Seins erreichen.

Zum einen liegt das daran, dass der Mensch aufgrund der Spiegelneuronen im Gehirn gar nicht anders kann, als ein Bild nicht nur zu sehen, sondern auch zu fühlen. Darauf baut die Imaginations- und Hypnosetherapie auf.

Denn für das Unterbewusstsein ist es kein Unterschied, ob man etwas "real" sieht, oder „nur“ im Geist. Es finden die gleichen biochemischen Reaktionen im Körper statt, Nerven reagieren, ganze Strukturen können sich mit der Zeit verändern.

Deshalb wacht man aus einem Albtraum mit Herzrasen und verschwitzt auf, obwohl man doch sicher im Bett gelegen hat. Deshalb fangen Kinobesucher bei einem traurigen Film an, zu weinen. Obwohl sie wissen, dass es nur bunte Bilder und Schauspieler auf einer Leinwand sind und es nicht real ist, werden sie von den Bildern bis in die Tiefe ergriffen.


Deshalb berührt uns das geträumte Bild eines halb erfrorenen Vogels, dem Symbol für Freiheit, zutiefst, während der gesprochener Satz: "Du bist völlig unfrei!" einen eher in eine Abwehrhaltung katapultieren würde. Was weiß denn der andere schon von unserer Not, unseren geheimsten Ängsten und unserem Weg, den wir bisher gegangen sind!


Aus der Hirnforschung weiß man, dass, wenn Informationen in reiner Text- oder Wortform daherkommen, die linke Hirnhälfte die rechte fragt: „Hast Du zu dem Wort oder zu dem Satz ein Bild?“ Und erst, wenn die Antwort „Ja“ ist, können wir wirklich begreifen und vor allem dauerhaft einordnen.

Und zum anderen müssen wir uns fragen, was genau ein Symbol ist.

Das Wort „Symbol“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet: „Das Komprimierte, das Zusammengeballte.“

Goethe nannte es „eine aufschließende Kraft“, also z. B. das Symbol “Licht“ für Geist, Gott und Erkenntnis oder das Symbol der Schlange für den Lebenstrieb. In allen alten Kulturen und Mythen symbolisierte die Schlange den Lebenstrieb, der positiv, aber auch negativ sein kann (mehr dazu auf der Seite "Mythen").


Wenn man also von einer farbigen Schlange träumt, dann ist das ein wunderbares Symbol des eigenen Lebenstriebes.

Das Bild von Eva im Garten Eden, die sich im positiven Sinne von ihrem Lebenstrieb zu einem höheren Bewusstsein verführen lässt und ein selbst auferlegtes Tabu bricht, berichtet uns liebevoll davon. Das ist Symbolsprache.


Ein Zeichen hingegen ist in der Bedeutung ganz klar definiert. Das gelbe Verkehrszeichen „Vorfahrt“ sagt eben „Vorfahrt“, sonst nichts.

C.G. Jung nannte Symbole die Schnittstelle zwischen Bewusstsein und Unterbewusstsein und vor allem die Ursymbole, also die Archetypen wie "die weise Frau", "der Held" usw. sind noch tiefer, im kollektiven Unbewussten angesiedelt. Jeder auf der Welt versteht sie.


Lt. Jung gehört zum Bewusstsein alles, was wir als Individuum wissen, unser Name, Beruf, Wohnort, Familie, Interessen, zum Teil die Vergangenheit, unsere Absichten, Ziele … Aber schon bei der Betrachtung unserer Familie, die wir doch zu kennen glauben, beginnt der Bereich dessen, was wir eben nicht wissen, der Bereich des Unbewussten. Unser Unbewusstes beinhaltet alles was wir nicht wissen. Dieser Bereich ist viel größer als unser Bewusstes. Es gibt sehr viel mehr, was wir nicht wissen, als was wir wissen. Darin ist auch alles enthalten, was wir vergessen haben oder was wir verdrängt haben.

Jeder kennt die Situation, in der man einen alten Bekannten trifft und obwohl man eben noch wusste, wie er heißt, ist der Name plötzlich entfallen. Wo ist er? Im Unbewussten. Und von dort kann er auch genauso wieder auftauchen.


In meinem Unbewussten kann ich Elemente und Bilder gemeinsam mit anderen Menschen haben, wenn ich sie mit ihnen zusammen erlebt, aber vergessen habe. Z.B. wenn zwei Geschwister in sehr jungen Kinderjahren in ein Kinderheim

gegeben wurden und sich nicht mehr konkret erinnern als Erwachsene. Im Leben beider Kinder können diese Bilder im Traum wieder auftauchen, im gleichen oder auch in einem unterschiedlichen Kontext.

Genauso gibt es unbewusste Bereiche, die ich mit meiner Familie, meinem Land oder meiner Generation teile. Und noch tiefer im kollektiven Unbewussten wiederum die Erfahrungen der gesamten Menschheit.


Ein Symbol hat einen Überschuss an Bedeutung, es besitzt eine Tiefe, die bildlich gesprochen von ganz unten bis ganz oben reicht. Und je nach Situation des Träumers, je nach persönlicher Assoziation und Bewusstsein können die Schichten und Inhalte gehoben werden, die der Träumer in diesem Moment zulassen kann.


Der Traum zielt auf Vervollständigung des Selbst. Des Selbst jedes Einzelnen und somit des Selbst der Weltenseele.

"Denn wenn es ein übergreifendes Thema in den Träumen gibt, dann ist es das Bemühen um Selbsterlösung von Ängsten und Schutzhaltungen, die das lebendige Leben in uns blockieren", so Ortrud Grön.


Als Kind und als junger Mensch ist man in erster Linie damit beschäftigt, seinen Platz in der Familie und Gesellschaft zu finden. Während dieser Zeit, wird alles in den Schatten gedrängt, was nicht bewältigt werden konnte aber auch alles, was nicht willkommen war im Umfeld. Also z. B. die Lebhaftigkeit eines Kindes, mit der die Eltern überfordert waren. Lt. Jung besteht diese Schattenwelt zu 90 % aus schierem Gold, das es nun zu bergen gilt!

Träume zeigen uns einen Weg in diese Welt aus Gold und Silber.


Die persönliche Assoziation des Träumers ist von großer Bedeutung. Wenn in einem Traum ein Schiff vorkommt und ich frage den Träumer, was verbindest Du mit einem Schiff und er antwortet: "Schiffe erinnern mich immer an wunderbare Sommer. Als wir als Kinder Ferien auf dem Schiff machten", dann ist auch die Bedeutung dieses Schiffes im Traum eine andere, als wenn mir der Träumer sagt: "Schiffe erinnern mich immer an den schlimmen Verlust meiner Schwester, die über Bord ging und ertrunken ist."

Also über die allgemeine Bedeutung eines Schiffes, nämlich "Die Steuerung im Gefühlsbereich", gilt es auch die persönlichen Assoziationen zu hinterfragen und in die Traum-Botschaft zu integrieren.


Deshalb besitzen Symbole eine so große Tiefe, weil sie auch so viel Persönliches in sich bergen.


Es gibt z. B. Fans, die hohe Beträge für ein Stück Rasen ihres Fußballvereins zahlen. Dieses Stück Rasen steht symbolisch für alles, was diesen Menschen als Lebensgefühl wichtig ist und um was sie vielleicht von klein auf schwer kämpfen mussten: Zusammenhalt, das gleiche Ziel verfolgen, klare Spielregeln, Fairness, einen unparteiischen Schiedsrichter ....


Ein Symbol ist etwas zutiefst Intimes, ein Schatz, ein Bild, das uns auf allen Ebenen ergreift und in der Lage ist, eine teilweise lebenslängliche Problematik in einem einzigen Bild darzustellen.


Der Mensch träumt jede Nacht. In unseren Träumen sind wir Schauspieler, Zuschauer und Regisseur zur gleichen Zeit. Zu keiner Zeit sind wir so frei und unabhängig von Raum, Zeit und Naturgesetzen wie im Traum und doch auch gleichzeitig so gefangen in diesem Geschehen. Wir können z. B. fliegen, wir können uns jedoch gleichzeitig nicht dagegen wehren ins Bodenlose zu fallen.


In der Antike galten Träume als Botschaften der Götter. Könige, Politiker und Herrscher suchten den Rat bei Traumverständigen. Für Sigmund Freud waren sie der „Königsweg zum Unbewussten“.


Ortrud Grön sieht die Träume im Spiegel der Naturgesetze, das ist es, was ihre Art zu arbeiten von anderen Methoden unterscheidet. Im Spiegel der Natur, weil es nicht uns UND die Natur gibt, sondern weil wir ein Teil von ihr sind, wir sind eingebettet IN ihr und alles, was sich in ihr als Entwicklungsprozess abspielt, spielt sich auf geistiger Ebene auch in uns ab.


Es gibt keine Materie ohne eine geistige Entsprechung davor. Und es gibt auch keine Trennung innerhalb der Natur. Es geht von einem Atom über ins andere, ohne Lücke, nur in verschiedenen Zuständen. Sie selbst bestehen aus Atomen und auch von Ihnen, der Sie dies gerade lesen und wahrscheinlich vor Ihrem Computer sitzen, gehen die Atome nahtlos über zu Ihrem Tisch, Ihrer Kaffeetasse oder was sonst gerade in Ihrer Nähe zu sehen ist, über.


Das Universum ist EINS und Ebenen scheinen sich zu spiegeln. Die Träume sind EIN Spiegel darin und stellen die Traumsymbole in immer neuen, einzigartigen Variationen dar, so wie Musik über ein gewisses Kontingent an Musiknoten verfügt und doch immer neue Stücke komponiert.

Bildnachweise: